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Hallux valgus Bandage

Beim Hallux valgus muss es nicht immer gleich eine operative Korrektur sein. Solange die Zehenfehlstellung noch nicht zu stark ausgeprägt ist, lassen sich Schmerzen auch oft mit konservativen Methoden gut lindern und eine Verschlechterung hinauszögern.

Neben Physiotherapie, Hausmitteln und Übungen für Zuhause werden inzwischen auch verschiedene orthopädische Hilfsmittel angeboten, die Ihnen den Alltag mit dem Hallux valgus erleichtern können. Neben der Hallux valgus Schiene, Nachtschienen, Hallux valgus Einlagen und Orthesen, kommt dafür auch Hallux valgus Bandagen in Frage  Sie lässt sich fast so einfach wie eine Socke am Fuß anbringen und hilft, den Vorfuß zu entlasten. Schmerz. 

Vorteile von Hallux Bandagen

  • Elastisches und weiches Material.
  • Flexibilität in den Bewegungsabläufen.
  • Passt bei jeder Schuhgröße.
  • Passt in jeden Schuh. Wichtig ist allerdings, dass die Schuhe weit und groß genug sind.

Elastisch und flexibel für einen stressfreien Tagesablauf

Anders als Schienen, bestehen Bandagen meistens aus elastischerem Material. Sie korrigieren die Fehlstellung, indem sie einen Zug auf die Zehe ausüben und diese wieder in die ursprüngliche Position rücken. Sie verleihen dem Gelenk einen besseren Halt und entlasten es. Auf diese Weise lässt sich eventuell vermeiden, dass die Fehlstellung immer stärker wird. Eine Bandage hat den Vorteil, dass sie flexibler und unauffälliger ist, als eine Schiene und sich dadurch besser in Schuhen tragen lässt. Wer möchte, kann auch beides Kombinieren: Tagsüber eine Bandage und nachts eine Schiene.

Je früher sie beginnen, regelmäßig eine Bandage zu tragen, desto wahrscheinlicher und größer sind die Chancen, dass sich damit ein Effekt erzielen lässt. Die Bandage lässt sich auch problemlos zusammen mit einem Zehenspreizer tragen. Hatten schon Ihre Mutter oder ihre Großmutter einen Ballenzeh? Dann kann es eventuell sinnvoll sein, die Hallux valgus Bandage auch zur Vorbeugung zu tragen, nachts oder zu Hause beim Barfußlaufen.

Fragen Sie am besten Ihren Arzt, ob bei Ihnen solche Hilfsmittel sinnvoll sind und welches sich für Sie eignet.

Frühe Warnzeichen für einen beginnenden Hallux valgus

Ein beginnender Ballenzeh ist daran zu erkennen, dass sich die große Zehe den mittleren Zehen annähert. Außerdem entsteht an der Fußinnenseite eine Wölbung. Bei Berührung tut die Zehe häufig weh, und es kommt zu Schleimbeutelentzündungen.

Wer bemerkt, dass sich sein Fuß verändert, sollte mit dem Besuch beim Orthopäden oder Podologen nicht lange warten. Denn unbehandelt beeinträchtigt ein Hallux valgus nicht nur die Füße. Durch den veränderten Gang aufgrund der Fehlstellung drohen durch die Fehlbelastung auch Schmerzen an den Knien und am Rücken.

Kinesio-Tapes für den Hallux valgus

Wer sie selbst noch nicht ausprobiert hat, kennt sie zumindest aus dem Fernsehen. Denn die pinkfarbenen, schwarzen, blauen oder neongrünen Klebebänder zieren schon seit einigen Jahren die Oberschenkel, Waden, Knie, und Schultern vieler Profisportler. Die elastischen Kinesio-Tapes sollen Schmerzen, Verspannungen und Schwellungen vertreiben, die Gelenke unterstützen und sogar kraftsteigernd wirken. Seit die Bänder auch in Supermärkten und bei Discountern erhältlich sind, boomt das Taping. Laut einer Befragung aus dem Jahr 2014 arbeiten 71% der Physiotherapiepraxen mit den bunten Klebebändern. Von Ihnen werden Sie inzwischen sogar beim Hallux valgus eingesetzt.

Einen Versuch wert

Wer ein wenig recherchiert, findet rasch heraus, dass die wenigen qualitativ hochwertigen, unabhängigen und vergleichenden Untersuchungen, die mit den elastischen Stoffstreifen durchgeführt wurden, keine eindeutige Wirksamkeit des Kinesio-Tape als Einzelmaßnahme nachweisen konnten.Andererseits ruhen auch viele andere Behandlungsmethoden, die in der Physiotherapie oder Orthopädie angewendet werden, nicht auf statistisch gut abgesicherten Fundamenten. Und da die Behandlung bezahlbar und– sofern man nicht allergisch auf den Klebstoff reagiert – mit keinerlei Risiken verbunden ist, kann man das Tapen getrost als unterstützende Maßnahme, zusätzlich zur Krankengymnastik ausprobieren.

Den Schmerz einfach wegtapen

Aber was bewirken denn nun die bunten Klebestreifen? Durch das Anbringen der Stoffstreifen soll das schmerzstillende System aktiviert werden, dessen Schmerzsensoren sich zu 85% auf der oberen Hautschicht befinden. Durch die schmerzfreiheit können Bewegungsabläufe wieder ‘richtig’ ausgeübt werden und die ursprünglichen Muskelfunktionen treten wieder in Kraft. Der von den Bändern ausgeübte Zug hebt die Haut an und fördert so, wie eine leichte Dauermassage, die Durchblutung. Dann, so heißt es, könnten Entzündungsstoffe und Lymphflüssigkeit abfließen, und das Gewebe schwelle ab. Sinnvoll ist es, das Tapen ergänzend zu gezielter Fußgymnastik anzuwenden.

Und so geht`s:
Am besten ist es natürlich, sich die richtige Anwendung der Tapes von einem Physiotherapeuten zeigen zu lassen. Hier aber trotzdem eine kurze Video-Anleitung. Dazu braucht man natürlich keine Klebebänder von speziell von TRUETAPE®. Das funktioniert mit jedem anderen Tape, das man sich entsprechend zurechtschneidet, genauso gut:

Das sollten Sie beachten: Damit das Klebeband besser und länger haftet, sollte die Haut sauber, fettfrei und trocken sein. Schließlich soll es ein bis fünf Tage halten. Sie können damit auch duschen oder baden, sollten es aber anschließend gut trockentupfen.

Weitere Infos zum Kinesio-Tape

Erfunden wurde das Kinesio-Tape 1973 von dem japanischen Arzt und Chiropraktiker Dr. Kenzo Kase. Seine Klebestreifen waren jedoch nicht bunt, sondern hautfarbenen 1998 begann PhysioTape die Behandlungsmethode in Europa einzuführen, Unabhängig von der Farbe sind sie aus reiner Baumwolle und werden mittels eines Polyacrylklebers, der durch die Körperwärme aktiviert wird, auf der Haut fixiert. Im Gegensatz zu medizinischen Tapeverbänden, die zur Gelenkstabilisierung verwendet werden, lässt sich das elastische Material der Kinesiotapes um bis zu 140 Prozent dehnen. Es ist wasserfest, lässt aber Schweiß, Wasser und Luft passieren.

Für die Einbettung des Videos habe ich vom Anbieter keinerlei Gegenleistung erhalten. Es fand auch kein Linktausch statt. Es soll den Lesern lediglich als Anleitung dienen.

High Heels vielleicht doch nicht verantwortlich?

Hallux valgus durch High heels?

Wie kommt es zu einem Hallux valgus? Bei dieser Frage sind sich die Wissenschaftler noch immer nicht ganz einig. Während einerseits eine genetische Komponente vermutet wird, wird andererseits der Schuh als wesentlicher Faktor für die Entstehung gesehen.

Laut einer norwegischen Studie brauchen High-Heels-Träger wie Penélope Cruz, Marilyn Monroe, die oder das Buena-Vista-Model Jorge González hingegen kein erhöhtes Arthrose-Risiko zu befürchten. Teilgenommen haben 205 Frauen im Alter zwischen 40 und 66 Jahren. Sie wurden klinisch und radiologisch untersucht und je nachdem, welche Schuhe sie am Arbeitsplatz trugen, in zwei Gruppen eingeteilt. Als „High-Heel“ wurden Schuhe mit einer Absatzhöhe ab fünf Zentimetern bezeichnet. Bedingung für eine Aufnahme in die Studiengruppe „High Heels am Arbeitsplatz“ war, dass die Frauen für mehr als fünf Jahre am Arbeitsplatz regelmäßig Schuhe mit hohem Absatz tragen mussten. In die Kontrollgruppe wurden nur Frauen aufgenommen, die am Arbeitsplatz keine Schuhe mit Absatz getragen hatten. Eine erhöhte Rate an Hallux-valgus-Deformität ließ sich weder klinisch noch radiologisch in einer der beiden Gruppe ermitteln. Fußschmerzen und Schwielen waren allerdings in der „High-Heel“-Gruppe häufiger zu beobachten. Dass das falsche Schuhwerk einen Hallux valgus verursacht konnte somit nicht belegt werden – dass sie den Füßen nicht gut tun, dagegen schon.

Zwei Mediziner aus London kommen zu anderen Ergebnissen

Dem widerspricht allerdings die Studie zweier Mediziner aus London und Aberdeen. Die Forscher analysierten die Daten aus 18 Studien auf einen Zusammenhang zwischen dem Tragen von hohen Hacken und der Entwicklung eines Ballenzehs, Muskel- und Gelenkschmerzen, Osteoarthritis und Verletzungen. Insgesamt waren knapp 15.000 Probanden beteiligt, meist Frauen.

Drei von fünf Studien wiesen eine deutliche Verbindung mit Schmerzen in Muskeln und Gelenken nach. Auch die Unfallgefahr erhöhte sich für die High Heel-Liebhaberinnen. Sieben von acht Studien ergaben, dass das Herumstöckeln auf hohen Absätzen eine besondere Verletzungsgefahr birgt. Vor allem Seniorinnen auf hohen Hacken sind anfällig für Stürze. Auch junge Frauen stolpern mit ihren High Heels häufig auf Treppen und verletzen sich. Es kommt häufiger zu Knochenbrüchen, Zerrungen und Verstauchungen. Keinen Zusammenhang fanden die Forscher zwischen der Entstehung von Osteoarthritis und dem Tragen hoher Schuhe. Bei dieser Erkrankung ist der Knochen entzündet und die Entzündung kann auf das Gelenk übergreifen und dieses schädigen.

Hoche Hacken bringen nicht nur die Trägerinnen in Gefahr

Drei von vier Studien fanden eine deutliche Verbindung zwischen dem Tragen hoher Hacken und der Entwicklung eines Hallux valgus. Der Anteil der Patienten mit einem Hallux valgus war unter Trägern von High Heels im Vergleich zu Personen, die flache Absätze trugen, um 47 bis 148 Prozent erhöht – je nach Studie und Tragedauer der hohen Absätze.

Eine weitere Studie widmete sich den Verletzungen, die Trägerinnen von High Heels anderen Personen zufügten: Immerhin 65 Notaufnahme-Vorstellungen wegen solcher Kollateralschäden wurden innerhalb von fünf Jahren im australischen Bundesstaat Victoria gezählt.

Meistens waren die Opfer versehentlich unter die Absätze geraten, in 16 Fällen waren die High Heels gezielt als Waffe eingesetzt worden.

Quellen:
Borchgrevink GE, Viset AT, Witso E, Schei B, Foss OA: Does the use of high-heeled shoes lead to fore-foot pathology? A controlled cohort study comprising 197 women. Foot Ankle Surg 2016; 22: 239–43.
Maxwell S Barnish, Jean Barnish. High-heeled shoes and musculoskeletal injuries: a narrative systematic review. BMJ Open 2016;6:e010053 doi:10.1136/bmjopen-2015-010053 , 13.1.2016

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  • Hallux valgus durch High heels?: Irenna86 auf Pixabay

Verwöhnprogramm für strapazierte Füße

Wir sollten unseren Füßen generell mehr Beachtung schenken und ihnen öfter mal eine Auszeit können. Das gilt aber umso mehr, wenn wir einen Hallux valgus haben. Nehmen sie sich deshalb ab und an mal etwas Zeit, um Ihre Füße zu verwöhnen und dadurch Schmerzen zu lindern beziehungsweise ihnen vorzubeugen.

Fußbäder pflegen und entspannen

Gönnen Sie Ihren strapazierten Füße doch öfter mal ein Fußbad. Das wirkt entspannend und ist für schmerzende Füße eine Wohltat. Warmes Wasser und ein wenig wohlriechendes Öl, etwa aus Rosmarin oder Lavendel reichen aus. Oder noch besser; verwenden Sie ein basisches Badesalz beziehungsweise kostengünstigeres Natron. Mit solch einem basischen Fußbad nehmen Sie Einfluss auf den Säure-Basen-Haushalt und damit auf Entzündungsprozesse in Ihrem Körper. Dies ist besonders für den Stoffwechsel des Bindegewebes und der Muskulatur Ihrer Füße wichtig. Nach dem Bad fühlen sich die Füße  geschmeidig und warm an. Die Rückfettung der Haut wird unterstützt und das Austrocknen verhindert. Da die Haut an den Füßen weniger Talgdrüsen besitzt, trocknet sie schneller aus. Das zu verhindern, ist besonders bei verstärkter Hornhautbildung wichtig. Mit einem basischen Fußbad gelingt das besonders gut, weil Säuren und Basen immer versuchen, sich gegenseitig zu neutralisieren. Durch das Prinzip der Osmose, neutralisieren die Basen den sauren pH-Wert der Haut, der bei circa 5,5 liegt. So findet ein Ausgleich zwischen dem pH-Wert der Haut und dem des Bades statt.

Osmose:

Osmose ist das Gesetz des Ausgleichs: Wenn der pH-Wert auf zwei Seiten einer durchlässigen Membran stark unterschiedlich ist, dann kommt es zum Ausgleich der pH-Werte. Im Basenbad gleichen sich Säure und Base durch die Osmose aus und neutralisieren sich 

Eine Massage wirkt Wunder

Gönnen Sie doch nach dem Fußbad noch eine angenehme Massage Nehmen sie dazu eine entspannte Sitzhaltung ein und legen Sie den Fuß auf das Knie des anderen Beines und benutzen Sie Massageöl.

  • Zuerst sind die Zehen dran. Kneten Sie die Zehen zwischen Daumen und Zeigefinger, von unten nach oben und vom kleinen zum großen Zeh. Wiederholen Sie das mehrmals. Widmen sie sich dann besonders dem großen Zeh und knete Sie mit dem Daumen an seiner Außen- und Innenseite entlang.
  • Wer möchte, kann nun jeden Zeh noch einmal zwischen Daumen und Zeigefinger nehmen und ihn leicht nach vorn ziehen, um die Gelenke zu lockern
  • Mit den Daumen massieren Sie nun auch die Fußsohle und die Fußaußen und -innenseiten. Tun Sie das mit sanften, kreisenden Bewegungen.
  • Streichen Sie dann den Fuß von den Zehen zur Sohle aus.

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  • Badeöl: pixabay / silviarita

Das Buch für den Hallux – Füße gut, alles gut

Wie auch wir in unserer Hallux Post, verfolgt Carsten Stark in seinem Buch zum Hallux valgus einen ganzheitlichen Ansatz. Der Münchener Fußspezialist vermittelt darin nicht nur Wissen rund um die verbreitete Schiefstellung der Großzehe, sondern begibt sich mit seinen Lesern auf Spurensuche nach den Ursachen des Problems . Zahlreiche Tipps und praktische Übungen sollen helfen, die damit verbundendenen Beschwerden zu lindern oder besser noch: ihnen vorzubeugen.

Das Buch für den Hallux – Füße gut, alles gut
Gesundheitliche Hilfe ohne OP
ISBN: 978-3-517-09526-4

Autor: Carsten Stark
Verlag: Südwest
Paperback, 160 Seiten,
Preis: € 16,99 (* empfohlener Verkaufspreis)
Erschienen: 20.03.2017

Die Kunst des Gehens

Auch wenn Sie nicht unter einem Hallux valgus leiden, lohnt sich ein Blick in dieses Buch. Denn wer richtig geht, beugt Fehlbelastungen und den sich daraus entwickelnden Fußproblemen vor. Denn Thomas Rogall ist der Überzeugung dass für schmerzende Füße oder sich entwickelnde Fehlstellungen, die Art und Weise verantwortlich ist, wie wir gehen. Der erfahrene Physiotherapeut und Leiter der Fußschule München, erklärt in seinem Buch, wie wir durch gezielte Übungen unseren Gang verändern und bei jedem Schritt ein neues Körperbewusstsein erlangen können. Sein ganzheitlicher Ansatz in der Kunst des Gehens verbindet Spiraldynamik mit Traditioneller Chinesischer Medizin.

Gebundene Ausgabe: 128 Seiten
Verlag: Nymphenburger; Auflage: 2 (17. Februar 2011)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3485013439
ISBN-13: 978-3485013437

Was Sie über Ihre Füße wissen sollten

Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, welche Höchstleistungen Sie Ihren Füßen jeden Tag abverlangen? Kaum ein anderes Körperteil wird von uns so unterschätzt, wie unsere Füße. Dabei befinden sich in ihnen mehr Sinneszellen, als in unserem Gesicht. Lesen Sie hier, weshalb Sie Ihren Füßen mehr Aufmerksamkeit schenken sollten.

Unsere Füße tragen uns im Laufe des Lebens bis zu dreimal um den gesamten Erdball – und leisten tagtäglich Schwerstarbeit, aber wir sind uns dessen kaum bewusst. Viele Jahre lang tragen sie uns zuverlässig durch den Alltag. Und während wir einen Fuß vor den anderen setzen, melden Tausende Nervenenden und Sensoren an unseren Fußsohlen jedes kleine Steinchen in den Schuhen an unser Gehirn und lassen jeden Schritt über spitze Kiesel zur Tortour werden.

Unsere Füße bestehen aus fast 28 kleinen Knochen, 33 Gelenken, 60 Muskeln, mehr als 100 Bänder und über 200 Sehnen. Damit wir gut zu Fuß sind, müssen all diese Elemente reibungslos zusammenarbeiten.

Wussten Sie dass…

kleine Kinder das abrollen der Füße erst lernen müssen? In den ersten Lebensjahren setzen Sie ihre Füße immer fast mit der ganzen Fläche gleichzeitig auf. Erst im Alter von zehn Jahren sind sie erst so richtig in der Lage, wie die Großen zu laufen.

Unsere Füße – Ergebnis des aufrechten Gangs

Der menschliche Fuß, so wie er heute aussieht, ist noch gar nicht so alt. Entwicklungsgeschichtlich gesehen, ist er unser jüngster Skelettabschnitt. Dass sich unsere Füße zu solch komplexen Gebilden entwickelt haben, ist der Entwicklung hin zum Aufrechten Gang zu verdanken. Denn dadurch lastet unser gesamtes Körpergewicht nicht mehr auf vier, sondern auf zwei Füßen. Als Folge hat sich unser Körperschwerpunkt komplett verlagert, was das Halten des Gleichgewichts komplexer gemacht hat. Diesen neuen Herausforderungen mussten sich auch unsere Füße anpassen. Vor allem die Ferse, genauer: der Fersenbeinknochen oder das Fersenbein, hat sich in den letzten paar Millionen Jahren extrem verändert.
Denn der hintere Abschnitt des Fußes ist im Vergleich zum Vorfußballen um 90 Grad in die Senkrechte gedreht. Dadurch liegen m hinteren Abschnitt des Fußes die Knochen übereinander, im mittleren und vorderen Bereich dagegen nebeneinander. Dadurch entsteht auf der Innenseite des Fußes ein Längsgewölbe und im hinteren Mittelfuß ein von innen nach außen verlaufendes Quergewölbe. Diese werden durch Bänder und Sehnen verspannt und durch Muskeln stabilisiert.

Die Fußgewölbe verteilen das Gewicht

Dank der Gewölbe liegen gesunde Füße niemals mit der gesamten Fläche auf. Zusammen sorgen sie dafür, dass wir unseren Körperdruck bei jedem Schritt elastisch abfedern können  und sich das Körpergewicht gut über den gesamten Fuß verteilt. Immerhin lasten bei jedem Schritt, den ein Erwachsener tut, etwa 450 Kilogramm Druckgewicht auf den Füßen.

Das Problem ist, dass heutzutage bei vielen Menschen die Fußgewölbe mehr oder weniger deformiert sind und ihre Funktion nicht mehr in ausreichendem Maß erfüllen können. Besonders weit verbreitet sind Senk- und Plattfüße, aus denen ein Hallux valgus entstehen kann..

Unsere Füße besitzen sogar einen Stoßdämpfer

Um Belastungen beim Gehen und Rennen noch bessern abfedern zu können, besitzen unsere Füße zusätzlich noch eine Art Stoßdämpfer in Form eines Fettpolsterst. Beim Gehen zum Beispiel wird es unter der Ferse auf die Hälfte zusammengedrückt.

Bei unseren Vorfahren hatte die Fußsohle noch ständig direkten Kontakt zum Untergrund. Heute sind wir nur noch selten barfuß unterwegs und laufen meist auf viel zu hartem Untergrund. Pech für unsere Füße. Denn ohne Schuhe wird die Belastung beim Gehen gleichmäßig und harmonisch über den ganzen Fuß verteilt. Von der Ferse, wenn wir den Fuß aufsetzen, bis weit in die Zehen, wenn wir den Fuß abrollen. Dabei sind alle 60 Muskeln und 214 Sehnen im Einsatz und sorgen für eine weiche Bewegung. Insbesondere in spitzen, hochhackigen oder zu engen Schuhen mit harten Sohlen, ist ein gleichmäßiges Abrollen, wenn überhaupt, oft nur eingeschränkt möglich. So entstehen Fehlbelastungen, die wiederum häufig zu Deformationen wie Senk- und Plattfüßen führen.

Treten oft gemeinsam auf: Schneiderballen und Hallux valgus

Menschen mit einem Hallux valgus leiden mitunter gleichzeitig an einem Schneiderballen. Kein Wunder, sind die Ursachen doch ähnlich – leider auch die Beschwerden.

Der Begriff stammt aus dem 19. Jahrhundert und war als schmerzhafte Zehenfehlstellung bekannt. Häufig betroffen waren damals Schneider, die ihrer Tätigkeit zu dieser Zeit immer im mit überkreuzten Beinen, also im  „Schneidersitz“ nachgegangen sind, und dadurch eine starke mechanische Belastung am Kleinzehenballen hatten. Dieser starke Druck auf das Mittelfußköpfchen der Kleinzehe sorgte für die Verformung der fünften Zehe.

Betroffen sind beim Schneiderballen (Taylor´s bunion)  auch heute der Kleinzehenballen und die kleine Zehe. Der fünfte Mittelfußknochen ist in den Fällen mit seinem zehenseitigen Ende verstärkt nach außen abgespreizt. Im Schuh wird der abstehende Zeh einwärts gedrückt und durch Zug von Muskeln und Sehnen in Richtung vierte Zehe gezogen. Es bildet sich ein Ballen. Diese schiefstehende kleine Fußzehe ist das spiegelbildliche Gegenstück zum Hallux valgus. Der Schneiderballen kann zwar auch isoliert auftreten – häufiger sieht man ihn jedoch in Kombination mit einem Hallux valgus oder einem Spreizfuß. Der Schneiderballen tritt allerdings deutlich seltener auf. Die Ursachen und Beschwerden sind aber ähnlich.

Es drohen Hühneraugen und schmerzhafte Entzündungen

Wie auch der Hallux vlaug, wird der Schneiderballen durch falsches Schuhwerk gefördert, das dem Fuß zu wenig Platz lässt. In den meisten Fällen entwickelt sich diese Fehlstellung aus einem bereits vorhandenen, unbehandelten Spreizfuß. Durch das Hervortreten des fünften Mittelfußköpfchens über dem Fußaußenrand erhöht sich die Druckbelastung über dem Kleinzehenballen – und dies umso stärker, wenn bereits ein Hallux valgus vorhanden ist. Daraus resultieren Druckstellen zwischen der vierten und fünften Zehe (Hühneraugen), Schleimbeutelreizungen und -entzündungen (Bursitis) sowie Verhornungen der Fußhaut.

Das Abweichen der 5. Zehe in Richtung 4. Zehe kann zu schmerzhafter Fehlbelastung im Grundgelenk verbunden mit Ergussneigung und Gelenkschädigung führen. Ein Schneiderballen kann jedoch auch angeboren (digitus quintus varus oder superductus) sein oder sich durch Entzündungskrankheiten wie zum Beispiel Rheuma oder durch eine Absenkung des Fuß-Quergewölbes entwickeln. Dabei werden die Gelenke geschwächt und die Entstehung des Schneiderballens gefördert

Bildquellen

  • Unter dem Schneiderballen litten früher viele Schneider: Myriam Zilles auf Pixabay

Interview mit Thomas Rogall

Wie entsteht der Ballenzeh ihrer Ansicht nach? 

Durch die Instabilität der Körpermitte in der mittleren Standbeinphase – ein Extrembeispiels dafür ist Marilyn Monroe – wird der Fuß durch die daraus folgende Innenkippung der Ferse zu stark über die Innenseite belastet. Die Verformung steigert sich dann in der Abdruckphase. Der Mensch – besonders die Frau – erläuft sich einen Hallux valgus, es gibt keinen genetischen Befehl. Ohne diese Innenkippung der Ferse kein Hallux valgus – auch bei einem hohen Anteil des elastischem Bindegewebes.

Wie behandeln Sie einen Hallux valgus? 

Um einen Hallux valgus erfolgreich konservativ zu behandeln ist es an erster Stelle notwendig die Belastung des Fußes beim Gehen zu verändern. Wir arbeiten mit dem Patienten also als erstes am Gangbild. Dadurch können wir die Belastung des Fußes verändern und Schmerzfreiheit erreichen. An zweiter Stelle steht die Feinmotorik des Fußes. Wir besitzen hochintelligente kleine Muskeln am Fuß (ähnlich der Hand). Die Kraft des Fußes entsteht durch seine Konstruktion, durch die Ausrichtung der Knochen zueinander. Ist die Ausrichtung entgleist ist die Arbeit an der Ausrichtung wichtig. Zeitungen mit den Füßen zu zerreißen führt dabei nirgendwo hin. Als dritter Schritt gilt es die Feinmotorik des Fußes in den Gang zu integrieren.  Wenn der Hallux valgus fortschreitet, droht ja irgendwann eine Arthrose. Wie lange kann man mit nicht operatven Maßnahmen noch etwas bewirken und wann ist dann doch eine Op notwendig?

Wenn der Hallux valgus fortschreitet, droht irgendwann eine Arthrose oder?

Diese Frage unterstellt eine Zwangsläufigkeit der schmerzhaft aktivierten Arthrose bei Hallux valgus.  Zu dieser oft gemachten Behauptung gibt es keine Studie. Meine Erfahrung zeigt gerade bei einem starken Hallux valgus mit hohen Anteilen elastischen Bindegewebes kommt es nicht zu einer schmerzhaften aktivierten Arthrose. Druckschmerzen der Haut und Spreizfußbeschwerden stehen im Vordergrund. Bei einer schmerzhaften aktivierten Arthrose (Hallux rigidus) ist der valgische Anteil meist sehr gering. Die Bildung zusätzlichen Knochens auf der Oberseite des Großzehengrundgelenks stellt das Problem dar, nicht die innen (medial) und außen (lateral) , wie bei einem Hallux valgus. 

Wie wichtig ist sind physiotherapeutische Maßnahmen nach einer Operation?

Die Nachbehandlung postoperativ wird in dem meisten Fällen vernachlässigt, obwohl sie von entscheidender Bedeutung für das Wohlbefinden des Patienten ist. Oft sieht der Operateur seinen Patienten nicht mehr. Es wird, obwohl ein Mensch behandelt wird, von einem kausalen Behandlungsansatz ausgegangen, das heißt ist die Winkelgeradestellung des Hallux in der Operation gelungen, war die Operation erfolgreich. Welches Befinden der Mensch nach einem halben Jahr postoperativ äußert, ist nicht von Bedeutung. 

www.fussschule.com

Welche Schuhe sind die richtigen?

Das ständige Tragen von falschen Schuhen kann zu Muskelverspannungen, aber auch zu Fehlbelastungen nicht nur der Füße, sondern auch des Knie- und Hüftgelenks sowie der Wirbelsäule führen. Deshalb sollten nicht nur Personen mit einem Hallux valgus besonders auf das richtige Schuhwerk achten. Doch welcher Schuh eignet sich am besten für zu Hause, für`s Office, für einen Stadtbummel oder den Spaziergang in freier Natur?

Für zu Hause

Die eigenen vier Wände bieten eine gute Gelegenheit, die Füße zu entlasten. Gehen Sie hier also ruhig auch mal ganz ohne Schuhe, auf Socken oder barfuß. Das trainiert die kurzen Fußmuskeln. Flip-Flops sind auf Dauer nicht geeignet, da sich die Zehen zum Halten der Schlappen festkrallen müssen. Wer sich für zu Hause Schuhe mit Fußbett zulegen möchte, sollte unbedingt darauf achten, dass dieses richtig an der Fußsohle anliegt

Für den Stadtbummel

Flipflops eignen sich erst recht nicht für den Bummel durch die Stadt – egal ob zum Schoppen oder Sitghtseeing während eines Städtetrips. An heißen Tagen sind Sandalen, die im vorderen Bereich oder an der Ferse mit Riemen getragen werden und dem Fuß auf diese Weise etwas Halt geben, wesentlich gesünder.

In freier Natur

Für längere Touren in freier Natur ist vor allem das Abrollverhalten des Fußes wichtig. Das können Orthopädietechniker am Laufband prüfen. Für längere Spaziergänge im Gelände müssen sie aber nicht gleich zu einem  speziellen Wanderschuh greifen. Wichtig ist ein weiter, gut gepufferter Schuh mit einer rutschfesten Sohle. Richtige Wanderstiefel bringen vor allem  in gebirgigem Gelände Vorteile, da sie den Knöchel besser abstützen.

Spezielle Hallux-Schuhe

Spezielle Schuhe für Hallux-Füße, sind eine gute Möglichkeit, fußschonend durch den Alltag zu kommen. – egal ob im Büro, beim Bummeln durch die Stadt oder unterwegs mit Freundinnen. Sie sind sehr leicht und speziell im Vorderfußbereich aus einem elastischen Material gefertigt. Das vermeidet Druck auf den empfindliche Zehen- und Ballenbereich. Glücklicherweise sind die Zeiten, in denen solche Schuhe jeder gleich als Gesundheitsschuhe identifizieren konnte, längst vorbei. Neue, modische Modelle – speziell konzipiert für die Bedürfnisse aktiver Frauen – ersetzen inzwischen die klobigen Treter von einst. Vom klassischen Trotteur, über feminine Ballerinas, super bequeme Slipper bis hin zu sommerliche Sandalen. Viele dieser Modelle sind mit einem einfachen Klettverschluss versehen, um sie leichter an- und ausziehen zu können. Um den Fuß zu entlasten und ihm den Druck zu nehmen, sind elastische Dehnzonen in den Schuh eingearbeitet. Neben den bekannten Stretch-Geweben wie Elasthan werden hierfür mittlerweile auch sehr flexibles Leder eingesetzt . So fällt optisch gar nicht auf, dass Sie einen Gesundheitsschuh tragen. Eine Wohltat für Ihre Füße sind zudem gepolsterte Einsätze an den Hallux-kritischen Stellen sowie ein extrem weiches Fußbett und speziell entwickelte Luftpolstersohlen, die jeden Schritt dämpfen. Mittlerweile gibt es vereinzelt sogar spezielle Wanderschuhe für Hallux-Füße.

Hier einige Modelle, die sich für Wanderfexe mit einem Hallux valgus eignen.

Hanwag:
Damen Treckingstiefel: Hanwag Tatra II Wide Lady GTX Trekking*
Damen Hikingschuh: Hanwag Belorado II Low Bunion Lady GTX Hiking*
Damen Treckingstiefel: Hanwag Belorado II Mid Bunion Lady GTX *
Damen Treckingsstifel: Hanwag Alta Bunion Lady GTX *
Herren Treckingsstiefel: Hanwag Tatra II Wide GTX Männer Trekking *
Lowa:
Damen Wanderstiefel: Mauria GTX Women* (bei Größe WXL wählen)
Herren Treckingstiefel: Camino GTX WXL Trekkingstiefel*
Herren Sportschuh: Renegade GTX Low Wide schwarz*

Barfußschuhe

Immer beliebter wird – nicht nur bei Hallux-Betroffenen – der Barfußschuh. Da seine Form deutlich breiter ist, als herkömmliche Modelle, bietet er allen Zehen ausreichend Platz. Die Sohle ist meist sehr dünn und flexibel, dadurch nehmen Sie den Untergrund viel intensiver wahr. Dadurch soll ein Laufgefühl „wie barfuß“ erzeugt werden. Gelenke und Muskeln werden dadurch gezielt trainiert und so der natürliche Bewegungsablauf gefördert. Gerade wenn am Ende einer Wanderung die Füße wehtun, ist es gut, wenn man auf dem letzten flacheren Stück von den schweren Wanderstiefeln auf Barfußschuhe umsteigen kann. Wer das nicht gewöhnt ist, sollte sich langsam herantaste. Gehen sie erst einmal eine kurze Strecke und dehnen Sie diese dann nach und nach weiter aus.

Hier einige Hersteller, die ein großes Sortiment an Schuhen für Menschen mit Hallux valgus und anderen Fußproblemen anbieten:

Diese Liste werde ich sicherlich immer mal wieder erweitern. Falls Sie noch den ein oder anderen Tipp haben, freue ich mich über Ihre Nachricht.

* Ich bekomme von den hier verlinkten Anbietern übrigens keinerlei Zuwendungen – in welcher Form auch immer. Dies ist ein reiner Service für die Leser.

Bildquellen

  • hiking-shoes-588799_1920: pixabay / leoto